Chilenische Grenze nach San Pedro de Atacama 16.06. - 22.06.2016
Von der chilenischen Grenze geht es wieder per Rad weiter nach San Pedro de Atacama. Oski ist nach den 3 Tagen auf dem Dach vom Cheep völlig verstaubt. Wir sind aber beide froh das wir wieder mobil sind und unsere eigenen Wege gehen können. Die ersten 7 km geht es noch über eine staubige Sandpiste den Berg hoch, danach führt eine neu geteerte Strasse bis nach San Pedro de Atacama. Mit jedem Höhenmeter den wir verlieren wird es etwas wärmer und ich kann mich langsam aus all meinen 7 schichten schälen. Das Dorf ist klein und übersichtlich und so finden ich schnell ein kleines gemütliches Hostal im Zentrum. Ich freue mich zuerst mal über die abwechslungsreiche Speisekarte in den verschiedenen Restaurants. Ich könnte mich einmal durch alle Karten essen. Die Tage vergehen wie im Fluge und am dritten Tag besteige ich den Vulkan Lascar  mit 5600 m. Wir werden um 5.30 abgeholt und dann geht es gut 2 Stunden in Richtung Berge. An einer Lagune gibt es frühstück bei -9 Grad. Wir freuen uns auf die ersten Sonnenstrahlen die uns wärmen. Dann  geht es noch etwas weiter per Auto den Berg hoch  bevor wir unseren Trecking beginnen. Nach den ersten Schritten bergauf wird mir leicht sturm, doch danach hab ich keine Probleme mehr mit der Höhe. Nach 3 Stunden stehen wir am Kraterrand. Für uns ist hier Schluss, der obere Teil des Vulkans ist mit Schnee bedeckt. Der Ausblick in den Krater und die umliegende Landschaft ist umwerfend.  Doch die kälte holt uns wieder auf den Boden zurück. Nach einer kurzen Pause rennen wir den Berg runter und hoffen darauf wieder aufzutauen. Zurück in San Pedro sind die Kälte und die Anstrengung vergessen und ich möchte noch auf einen weitern Vulkan steigen. Doch daraus wird wahrscheinlich nichts, da ich die einzige bin, die so hoch hinaus will. So bleibe ich noch ein paar Tage in San Pedro bevor ich weiter in Richtung Santiago de Chile aufbreche.

 

San Pedro de Atacama ins Valle Elqui 22.06. - 04.07.2016
Nach dem ich niemanden mehr gefunden habe um einen weiteren Vulkan zu besteigen fahr ich weiter nach Calama. Dazu muss ich einen kleinen Teil der Atacama Wüste durchqueren. Die trockenste Region auf der Welt. Ich bin froh, dass wir hier Winter haben, auch wenn die Sonne scheint wird es nicht wärmer als 20 Grad. Die Luft ist aber so trocken, dass ich mit meinem Wasser Haushalten muss bis Calama. Von Calama aus nehme ich wieder den Bus bis La Serena. Den auf dieser Strecke gibt es ausser Wüste nichts zu sehen. Nach 14 Stunden erreiche ich La Serena und eisige Kälte erwartet mich. An der Küste ist es kalt und nebelig, nicht sehr einladend. So verabschiede ich mich so schnell wie möglich in Richtung Valle Elqui. Das Tal im Hinterland von La Serena wurde mir von einer Familie, die ich in Ecuador getroffen habe,  empfohlen. Im Valle scheint gemäss Google 300 Tage im Jahr die Sonne. So bin ich gespannt und freue mich, als in Vicuna, meinem ersten Halt, die Temperaturen angenehm warm sind. Am nächsten Tag geht es für ein paar Stunden über hügeliges Gelände nach Pisco Elqui. Ein kleines Dorf mit 4 Strassen und zahlreichen Restaurants und Hostales. Ich entscheide mich für das Hostal Balcones de Pisco Elqui. Ein kleines gemütliches Hostal das  ich für ein paar Tage ganz alleine für mich habe. Von meinem Balkon aus kann ich in der Nacht den wunderschöne Nachthimmel bestaunen. Im Tal gibt es eine Gruppe die sich Cultural Exchange nennt und ich werde nach meiner Ankuft herzlich aufgenommen. Es gibt mir das Gefühl zu Hause zu sein und deshalb verlängere ich meinen Aufenthalt um ein paar Tage. Das ganze Tal und auch die Hügel sind voll mit Weinreben. Leider ist jetzt alles braun und leblos, doch kann ich mir vorstellen wie es im Sommer hier aussieht. Es gibt auch zahlreiche Wanderungen die in der Sommerzeit zum verweilen im Tal einladen. Die Besichtigung der Pisco Brauerei ist dann auch ein Höhepunkt meines Aufenthaltes. Am 4 Juli feiere ich meinen Abschied und gleichzeitig den Nationaltag meiner neuen Freunde von Pisco Elqui. Ich fahre zurück zur Küste und danach weiter in Richtung Santiago.

 

La Serena nach Illapel 05.07. - 16.07.2016
Nach der Ruhe und Einsamkeit vom Valle Elqui verbringe ich 2 Tage in La Serena. Ich geniesse die sonnigenTage um an der Strandpromenade entlang zu fahren und in einem der gemütlichen Restaurants einen Kaffee tu trinken. Die Ausfahrt aus Serena bringt mich auf die Autobahn Nr. 5, der ich bis nach Tongoy folge. Hier möchte ich eigentlich am Strand campieren, doch der Zeltplatz ist im Winter geschlossen. So frage ich bei der Feuerwehrstation nach und darf mein Zelt im Innenhof aufstellen. Ist nicht ganz so romantisch wie der Strand, dafür sicher und ruhig. Weiter geht es ins Landesinnere nach Ovalle. Ein kleines Provinz Städtchen, ideal für einen Ruhetag. Ausgeruht fahre ich in Richtung Combarbala. Das Hinterland Chiles ist hügeliger als ich mir vorgestellt habe und so komme ich nur langsam vorwärts. Irgendwo auf dem Weg hält ein Auto und Patrizia und Ihr Ehemann steigen aus und laden mich spontan ein in ihrem Haus in San Marcos zu übernachten.  Ich nehme die Einladung gerne an und so verbringe ich 2 Tage in San Marcos. Die beiden sind frisch Pensioniert und haben ein wunderschönes Anwesen. Die letzten Jahre führten sie ein Hostal in Valparaiso und sie möchten den Kontakt zu reisenden erhalten. Wieder im Sattel geht es über die nächsten Hügel nach Combarbala. Das kleine Städtchen bieten einen wunderbaren Blick auf die verschneiten Berge. Das Gelände wird nicht flacher und trotz der kalten Luft komme ich ins Schwitzen als ich mich den Berg hoch schiebe. Eine rasante Abfahrt und schon steht der nächste Berg in meinem Weg. Auch diesen schaffe ich an diesem Tag und in der Abenddämmerung erreiche ich Illapel. 

 

Illapel nach La Ligua 17.07. - 21.07.2016
Ab Illapel führt mein Weg entlang der stillgelegten Bahnstrecke. Bis nach Salamanca ist die Strecke geteert und ich komme gut voran. Danach wird es etwas holpriger und eine gut ausgebaute Überlandstrecke wartet auf mich. Das einzige Problem sind die Flächen deckenden Wasserlöcher, die sich in Schlammseen verwandelt haben. Es hilft nichts, ich und auch Oski mit Gepäck müssen da durch. Ich werde die nächsten Wochen benötigen um den Schlamm von allen beteiligten wieder abzukratzen. Für heute reicht es mir und ich bitte in El Socavon um Asyl beim Gemeindesaal. Nach längeren Beratungen der 3 Gemeindemitglieder kann ich mein Nachtlager im Inneren des Gebäudes aufbauen. Ich darf auch die Küche benutzen und am nächsten Morgen, zum Frühstück, mein in die Tage gekommenes Brot aufbacken. Dann geht es weiter den Berg hoch bis zum ersten Tunnel und danach eine lange Abfahrt nach Caimanes. Eigentlich wollte ich hier mein Nachtlager aufschlagen, doch der Tag ist noch jung und so geht es nach einem kleinen Imbiss weiter. Gemäss der Karte ist die Gegend flach und die Strecke eine gerade Linie. Vielleicht liegt es am Massstab der Karte, dass die Theorie und die Realität nicht zusammen passen. Wie heisst es so schön.... da wo es hoch geht, geht es auf der anderen Seite wieder runter. Wenigstens diese Weisheit stimmt und so komme ich am späten Nachmittag in Tilama an. Hier darf ich bei der Schule mein Zelt aufstellen. Nach einer Freiluftdusche mit dem Gartenschlauch ziehe ich mich nach Sonnenuntergang ins Zelt zurück. Das frische Brot fällt am nächsten Morgen weg, dafür finde ich in Mitten vom Nirgendwo einen frischen Kaffee. Noch ein Tunnel und dann hat mich die asphaltierte Strasse wieder die mich bis nach La Ligua bringt. Meine letzte Station bevor ich der Küste folgend  nach Valparaiso fahre. 

 

 

Concon - Santiago de Chile 22.07. - 12.08.2016

An der Küste holt mich der Nebel wieder ein und so fahre ich ohne viel von der schönen Strecke zu sehen bis nach Vina del Mar. Auf der Küstenstrasse bin ich definitiv nicht die einzige Fahrradfahrerin, doch die einzige mit soviel Gepäck. Schon nach kurzer Zeit erreiche ich Vina del Mar. An der Strandpromenade hat sich eine Gruppe von Freizeitsportlern getroffen, zum Sonntag morgentlichen Zumba. Es geht nicht lange und ich werde von einer Joggerin angesprochen. Wie immer die gleichen Fragen, woher, wohin, wie lange schon und wie lange noch. Nachdem wir alles geklärt haben, fragt sie mich noch wo ich den Übernachten werde heute und darauf fällt mir so spontan gar nichts ein. Sie lädt mich zu sich in ihre Wohnung ein und so verbringe ich 5 Tage in Vina del Mar. Meine Schlummermutter heisst Palma und sie kommt aus Granada in Spanien. Obwohl sie hier arbeitet, ist ihr die Gegend auch noch etwas fremd und so machen wir gemeinsam eine Stadtführung durch Valparaiso. Die Stadt der farbigen Hauswände. Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, die mit so vielen schönen und grossen Grafitis bemalt ist. Es ist eine abwechslungsreiche und spannende Führung und nach 3 Stunden bin ich nudelfertig. Wir schleppen uns noch in ein gutes Restaurant und lassen danach den Tag ausklingen. Oski ist frisch geputzt und freut sich schon auf die Weiterfahrt nach Santiago. Ich versuche einen Weg auf Nebenstrassen zu finden, doch ich scheitere kläglich und gebe nach ein paar Stunden auf. Mein Plan B heisst "Fahren auf der Autobahn". Vor der Auffahrt steht ein grosses Verbotsschild mit den Angaben darauf was man auf der Autobahn nicht machen darf. Das Fahrradzeichen ist in der Mitte der Tafel gut zu sehen. Da ich keine Alternative habe ,fahr ich auf die Einfahrt und hoffe jetzt auf eine grosse Portion Glück und das mich kein Polizist erwischt. Die erste Zahlstelle passiere ich ohne das mich jemand anhält.  Ich tue so als ob alles ganz normal ist und fahre weiter. Von weitem sehe ich schon den Polizeiwagen und die davor stehenden Polizisten. Ich überlege mir krampfhaft eine gute Erklärung, wieso ich hier bin. Doch öfters kommt es anders als man denkt und als ich auf der Höhe des Polizisten bin, macht det einen Schritt zur Seite, damit ich ungehindert auf dem Pannenstreifen weiterfahren kann. Ich muss Schmunzeln, bedanke mich herzlich und weiter gehts zu meinem letzten Pass vor Santiago. Dieser zieht sich unendlich ins Gebirge und ich schaffe es nicht mehr ihn komplet zu überqueren bevor es Nacht wird. Hätte ich am Morgen nicht mein Benzin für den Kocher ausgeschütet, hätte ich irgendwo mein Zelt aufgestellt. So muss ich ein paar Kilometer unter dem Pass auf Plan B wechseln und  mache ein letztes Mal Autostopp. Auf der einen Seite bin ich etwas enttäuscht den Pass nicht geschafft zu haben und auf der anderen Seite sehr froh ,das ich nicht mit dem Fahrrad in die Stadt fahren muss. Ich bleibe 2 Tage in Santiago und dann geht es auf die Osterinsel oder auch bekannt unter dem Namen Rapa Nui. Die Insel mit den mysteriösen Steingesichtern will ich mir mal genau ansehen. Die Insel ist klein und überschaubar und trotzdem brauche ich Stunden um die Sehenswürdigkeiten im Süden der Insel zu erwandern. Mich fasziniert vor allem die Brandung die unermüdlich Tag ein und aus gegen die steilen Felsklippen schlägt. Da diese Steinmandli oder auch Moai genannt, alle am Meer stehen, kann ich praktisches mit schönem verbinden. Der höchste Punkt der Insel liegt auf 511m. Von hier oben hat man einen Rundblick über die ganze Insel. Das Geheimnis über die Entstehung und Bedeutung der Moai konnte ich nicht lüften, denn selbst die Inselbewohner sind sich nicht einig über die Geschichte ihrer Vorfahren.
Zurück in Santiago heisst es für mich packen und langsam Abschied nehmen von meinem Reisealltag der letzten Monate. Eine intensive und schöne Zeit geht zu Ende und ich bin jeden Tag froh mich für diese Reise entschieden zu haben.